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MYANMAR

„Ein unsichtbarer Krieg“ – so beschrieb San Htoi von der Kachin Women’s Association of Thailand (KWAT) die Angriffe auf Christen in Myanmar.1 Trotz einer Völkermordkampagne2 der Armee in Myanmar gegen die 1,6 Millionen Einwohner des Bundesstaats Kachin – von denen 90-95 Prozent Christen sind (römisch-katholisch oder Baptisten) – hat es lange gedauert, bis in internationalen Berichten die überwiegend christliche Identität des Volkes der Kachin anerkannt wurde.3

Christen in Kachin wurden umgebracht, vergewaltigt, gefoltert und zur „Räumung“ von mit Landminen übersäten Gebieten eingesetzt.4 Frauen und Mädchen wurden als Bräute nach China verkauft.5 3000 Dörfer wurden im vergangenen Jahrzehnt angezündet und bis auf die Grundmauern zerstört6. Seit 2011 wurden mehr als 200 Kirchen zerstört.7

Der Bericht zur Religionsfreiheit 2017 des US-Außenministeriums bezeichnete die Notlage der 100 000 vertriebenen Christen, die in Lagern leben, und der Tausenden in Dschungelgebieten gestrandeten Menschen als „verzweifelt und unhaltbar“, 8während die Vereinten Nationen die Gewalt als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ anprangerten.9 Nach Angaben des US-Außenministeriums wurden religiöses Eigentum und religiöse Schriften von Glaubensminderheiten des Landes – auch von Christen – zerstört. Genehmigungen für den Bau von religiösen Gebäuden und deren Renovierung wurden verweigert.

Der Bundesstaat Chin „hinderte christliche Gruppen und Kirchen daran, im Namen ihrer religiösen Organisationen Land zu kaufen, um dort Gottesdienste abhalten zu können“. Darüber hinaus erlebten Christen Diskriminierung am Arbeitsplatz. Im Bundesstaat Karen erhielten Christen von der Regierung Ausweise, auf denen stand, sie wären Buddhisten, obgleich sie bei der Beantragung des Dokuments die Angabe „Christ“ gemacht hatten. Die Beamten weigerten sich, die Ausweise zu berichtigen.10

1 Libby Hogan, „‘Slow genocide’: Myanmar’s invisible war on the Kachin Christian minority“, The Guardian, 14. Mai 2018, https://www.theguardian.com/world/2018/may/14/slow-genocide-myanmars-invisible-war-on-the-kachin-christian-minority (abgerufen am 20. Juni 2019).
2 Alex Crawford, „Uncovered: Worrying evidence of new genocidal campaign on Kachin Christian minority in Myanmar“, Sky News, 5. Juni 2018 https://news.sky.com/story/uncovered-worrying-evidence-of-new-genocidal-campaign-in-myanmar-11395173 (abgerufen am 20. Juni 2019).
3 „Untold Miseries’ Wartime Abuses and Forced Displacement in Burma’s Kachin State”, Human Rights Watch 2012 Report, https://www.hrw.org/report/2012/03/20/untold-miseries/wartime-abuses-and-forced-displacement-burmas-kachin-state (abgerufen am 17. Juni 2019).
4 Holly MacKay, „With world’s attention on Rohingyha Muslims, Christians in Burma also face brutal persecution“, Fox News, 17. August 2018 https://www.foxnews.com/world/with-worlds-attention-on-rohingya-muslims-christians-in-burma-also-face-brutal-persecution (abgerufen
am 20. Juni 2019).
5 „‘Give us a baby and we”ll let you go’: Trafficking of Kachin’s ‘Brides’ from Myanmar to China“, Human Rights Watch, 21. März 2019, https://www.hrw.org/report/2019/03/21/give-us-baby-and-well-let-you-go/trafficking-kachin-brides-myanmar-china (abgerufen 21. Juni 2019)
6 „Planting churches and developing communities in Myanmar, where Christians face adversity, persecution and isolation“, World Share, November 2017, https://worldshare.org.uk/who-we-help/who-we-help/src/ministry/21/title/myanmar (abgerufen am 17. Juni 2019).
7 US-Außenministerium, „Burma“, International Religious Freedom Report 2018, https://www.state.gov/reports/2018-report-on-internationalreligious-freedom/burma/ (abgerufen 22. Juni 2019).
8 ebd.
9 „Myanmar: UN Fact-Finding Mission releases its full account of massive violations by military in Rakhine, Kachin and Shan States“, OHCHR, 18. September 2018, https://www.ohchr.org/EN/HRBodies/HRC/Pages/NewsDetail.aspx?NewsID=23575&LangID=E (abgerufen am 17. Juni 2019).
10 „Burma”, International Religious Freedom Report 2017, op. cit; US-Außenministerium, „Burma”, International Religious Freedom Report 2018, https://www.state.gov/reports/2018-report-on-international-religious-freedom/burma/ (abgerufen am 1. Juli 2019).
11 „Buddhist mob in Myanmar attacked Christians celebrating Christmas“, Burma Human Rights Network, 4. Januar 2019 http://www.bhrn.org.uk/en/press-release/1071-buddhist-mob-in-rakhine-state-attacked-christians-celebrating-christmas.html (abgerufen am 16. Juli 2019).
12 UN Human Rights Council, Report of the detailed findings of the Independent International Fact-Finding Mission on Myanmar, September 2018, S. 46 ff., https://www.ohchr.org/EN/HRBodies/HRC/MyanmarFFM/Pages/Index.aspx (abgerufen am 14. Juni 2019).
13 US-Außenministerium, „Burma“, International Religious Freedom Report 2018, https://www.state.gov/reports/2018-report-on-internationalreligious-freedom/burma/ (abgerufen am 1. Juli 2019).
14 „Buddhist Mob in Rakhine State attacked Christians celebrating Christmas“, Progressive Voice Myanmar, 4. Januar 2019, https://progressivevoicemyanmar.org/2019/01/04/buddhist-mob-in-rakhine-state-attacked-christians-celebrating-christmas/ (abgerufen am 1. Juli 2019).

Vorkommnisse:

JUNI 2018
Zwei Ordensschwestern wurden von Bewohnern des Dorfs Pataekyaw im Ann Township im Westen Myanmars angegriffen. Später wurde ein Geistlicher, der den Vorfall meldete, von einem buddhistischen Mob verprügelt.11

SEPTEMBER 2018
In einem Bericht der Vereinten Nationen wurde vermerkt, dass Kachin-Christen von Soldaten misshandelt und gefoltert wurden. Von Mitarbeitern des militärischen Geheimdienstes wurde „ein christliches Opfer gezwungen, Jesus an einem Kreuz nachzuahmen, wie bei der Kreuzigung“.12

SEPTEMBER 2018
200 christliche Leiter wurden verhaftet, Kirchen zerstört und strenge Auflagen für Gottesdienste, Lehre und Evangelisierung erlassen. Verantwortlich hierfür waren die Behörden der United Wa State Army (UWSA), die die selbstverwaltete Region Wa im Bundesstaat Shan kontrolliert. Ein Sprecher der UWSA bestätigte in der Folge die Berichte. Die meisten der christlichen Mitarbeiter wurden später wieder freigelassen.13

DEZEMBER 2018
Am Weihnachtsabend überfiel ein aus 50 Personen bestehender Mob, darunter drei buddhistische Mönche, im Ort Setsi im Bundesstaat Rakhine, eine Gruppe Christen, die in einer provisorischen Unterkunft einen Weihnachtsgottesdienst feierten. Ein Pfarrer wurde dabei verletzt und musste ins Krankenhaus.14

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