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IRAK

Nach dem Versuch des sogenannten Islamischen Staats, das Christentum auszulöschen, kehrten die Christen allmählich in ihre Städte und Dörfer in der Ninive-Ebene zurück. Während eines von KIRCHE IN NOT organisierten Besuchs im Vereinigten Königreich im Oktober 2018 sagte der chaldäische Erzbischof Habib Nafali, die Christen im Irak hätten systematische Gewalt mit dem Ziel der Auslöschung durchlitten: „Wenn das nicht Völkermord ist, was ist dann Völkermord?“1 Seine Eindrücke wurden vom chaldäischen Patriarchen Louis Raphael I. Sako geteilt.2

Stand Juni 2019 waren knapp über 46 Prozent der geflohenen Familien zurückgekommen – die Kirchen beklagten jedoch einen offensichtlichen Mangel an nationaler und internationaler Hilfe für den Wiederaufbau. Pfarrer Salar Kajo vom Wiederaufbau-Komitee für die Ninive-Ebene sagte: „Nach einem Jahr des Wiederaufbaus ist der einzige Kanal für Hilfe die Kirche“, fügte aber hinzu, dass die Regierung Ungarns direkte Hilfe leistet.3

Der Prozess der Rückkehr wurde durch Sicherheitsprobleme kompliziert. Es gab Vorwürfe der Aggression, einschließlich Landnahme, durch Milizen, die angeblich christliche Siedlungen schützten.4

Die christlichen Gemeinden stehen vor vielfältigen Problemen, unter anderem Zusatzsteuern, die in mehrheitlich christlichen Gebieten in der autonomen Region Kurdistan erhoben werden,5 mangelnde Unterstützung für die Opfer sexueller Gewalt,6 Berichte, dass mindestens 350 Grundstücke im Besitz von Christen unrechtmäßig beschlagnahmt wurden,7 und die sporadische Ermordung von Christen und den Angehörigen anderer Minderheiten.8

1 „Christianity in Iraq “one wave of persecution” from extinction“, The Tablet, 10. Oktober 2018,
https://www.thetablet.co.uk/news/10842/christianity-in-iraq-one-wave-of-persecution-from-extinction (abgerufen 8. Februar 2019).
2 John Newton, „Cardinal highlights threat to Christianity“, Aid to the Church in Need (UK) News, 29. September 2017, https://acnuk.org/news/iraq-cardinal-highlights-threat-to-christianity/ (abgerufen am 20. Februar 2019).
3 John Newton, „Help families home now – or Christianity could disappear from the country“, Aid to the Church in Need (UK) News, 19. März 2018, https://acnuk.org/news/iraq-help-families-home-now-or-christianity-could-disappear-from-the-country/ (abgerufen am 21. Februar 2019).
4 „Assyrian Christian Lands Forcibly Seized in Northern Iraq: Authorities Again Petitioned to Protect the Rights of Minorities“, International Christian Concern, 17. Mai 2018, https://www.persecution.org/2018/05/17/assyrian-christian-lands-forcibly-seized-northern-iraq/ (abgerufen am 20. Februar 2019).
5 Zusätzliche Abgaben auf Unternehmen in Ankawa, Erbil und Semel in de Nähe von Duhok. Ankawa Today (Facebook), 2. Juli 2018, https://www.facebook.com/617288955025470/posts/1973203526100666/ (abgerufen 20. Februar 2019).
6 „Islamic State rape survivors in Iraq are like ‘living corpses’“, The New Arab, 10. März 2018,
https://www.alaraby.co.uk/english/news/2018/3/10/is-rape-survivors-in-iraq-are-like-living-corpses (abgerufen am 18. Februar 2019).
7 „350 Christian Homes Illegally Seized in Iraq“, International Christian Concern, 21. November 2018, https://www.persecution.org/2018/11/21/350-christian-homes-illegally-seized-iraq/ (abgerufen am 20. Februar 2019).
8 „Iraq: Christians concerned after spate of deadly violence“, Middle East Concern, 20. März 2018, https://meconcern.org/2018/03/20/iraqchristians-concerned-after-spate-of-deadly-violence/ (abgerufen am 18. Februar 2019).
9 Sangar Ali, „Hashd al-Shaabi sexually harass Christians in Nineveh Plain: Christian MP“, Kurdistan 24, 15. Dezember 2017 (letzte Aktualisierung), http://www.kurdistan24.net/en/news/6ddbf5d1-0d0d-49f2-988e-64fb440cd88b (abgerufen am 12. Juni 2019).
10 „Christian Family Stabbed at Home by Armed Group in Baghdad“, International Christian Concern, 12. März 2018 https://www.persecution.org/2018/03/12/christian-family-stabbed-home-armed-group-baghdad/ (abgerufen am 18. Februar 2019).
11 Claire Evans, „Iraqi Curriculum Issues Veiled Threat Against Christian Women“, International Christian Concern, 15. Januar 2019, https://www.persecution.org/2019/01/15/iraqi-curriculum-issues-veiled-threat-christian-women/ (abgerufen 20. Februar 2019).
12 Bericht über einen Angriff von Erzbischof Bashar Warda; „‘Trust is gone’: Iraqi Christians fear returning due to Shiite militia“, Daily Star (Libanon), 12. Februar 2019,
http://www.dailystar.com.lb/News/Middle-East/2019/Feb-12/476387-trust-is-gone-iraqi-christians-fear-returning-due-to-shiitemilitia.ashxutm_content=buffer763df&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer ; „Militia Forces Threaten Iraqi Priest“, International Christian Concern, 3rd December 2018, https://www.persecution.org/2018/12/03/militia-forces-threaten-iraqipriest/
(beide Seiten am 12. Juni 2019 abgerufen).

Vorkommnisse:

DEZEMBER 2017
Parlamentsmitglied Joseph Silewa beschwerte sich, dass Christen in Karakosch und Bartella von Angehörigen der 30. Brigade der Popular Mobilisation Forces (PMF) der schiitischen Schabak schikaniert – und in einigen Fällen sexuell missbraucht – wurden. Der Generaldirektor für Christliche Angelegenheiten der Regionalregierung Kurdistans bestätigte, dass es nach der Befreiung der Ninive-Ebene vom IS zu Schikanen und Misshandlungen durch die PMF und andere Milizen gekommen war.9

MÄRZ 2018
Dr. Hisham Shafiq wurde zusammen mit seiner Frau und seiner alten Mutter in seinem Haus in Bagdad erstochen. Der Priester Biyos Qasha befürchtete, dass diese Ereignisse Teil eines Plans waren, um Christen aus ihren Häusern zu vertreiben.10

JANUAR 2019
Der neue Lehrplan des Bildungsministeriums wurde von Patriarch Louis Raphael I. Sako, Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche, verurteilt. Er sagte: „Ich lese ungenaue, unangemessene und beleidigende Aussagen, die Hass und Spaltung schüren, die weit entfernt von den Werten der Toleranz und den Prinzipien der Staatsbürgerschaft und Koexistenz sind.“ Beispielsweise steht in Schulbüchern für Kinder zwischen sechs und elf, unverschleierte Frauen seien „krank“.11

APRIL 2019
Ein Schusswaffenangriff auf eine Palmsonntagsprozession in Bartella zwang die Christen, den traditionellen zeremoniellen Beginn der Karwoche abzubrechen. Autos fuhren entlang der Prozession, und die Insassen eröffneten das Feuer. Weniger als ein Drittel der 3800 aus Bartella fortgezogenen Christen kehrten zurück, und die Miliz der schiitischen Schabak, die die Sicherheit der Stadt kontrollieren, sollen Christen drangsaliert haben. So sollen sie über eine Stunde lang Schüsse vor der Kirche St. Georg abgefeuert und den Priester Behnam Benoka bedroht haben.12

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